Pechmarie im Kanzleramt
Die Pechmarie im Märchen „Frau Holle“ von den Gebrüdern Grimm fiel in erster Linie durch ihr Nichtstun auf, wofür sie schließlich als Lohn mit Pech überschüttet wurde. Die Bundeskanzlerin scheint in diesen Tagen ein ähnliches Schicksal zu ereilen. Nachdem sie bis heute beharrlich ihre Arbeit – das Regieren und Gestalten – verweigert hat, erfährt ihre Regierung nun fast täglich Katastrophen, Pech und Schicksalsschläge.
Da wirft ihr selbsternannter „brutalstmöglicher Aufklärer“ Roland Koch aus heiterem Himmel das Handtuch, nicht ohne seiner Partei als Abschiedsgeschenk die brutalstmögliche Forderung mitzugeben, die auf dem Finanzmarkt verspielten Milliarden müssten durch Einsparungen bei Erziehung und Bildung wieder eingesammelt werden. Dann kommt Pechmarie ganz nebenbei ihr Staatsoberhaupt abhanden, weil der Bundespräsident sich nicht genug respektiert fühlt. Für das jetzt folgende, laut knarzenden Stühle rücken in Partei und Regierung wird sie auch keine Vergnügungssteuer entrichten müssen.
Ach, ja – Steuern. Ihre Partner von der radikalstmöglichen Steuersenkungspartei blamieren die Regierung jeden Tag aufs Neue, indem sie kleinlaut eine angekündigte Steuersenkung nach der anderen in eine ferne Zeit verschieben. Und als habe die FDP der Kanzlerin nicht schon genug Leid gebracht, stellt ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Fricke auf einmal die niedrige Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen in Frage. Wir erinnern uns – das war ein Herzensanliegen der Liberalen. Und es war eine der ganz wenigen Taten, die diese Regierung vor wenigen Wochen auf die Beine gestellt hat.



