Mit Zank und Streit kommt man nicht weit

Die in Berliner Regierungskreisen auch gern „Mutti“ genannte Kanzlerin Merkel verliert – zuletzt deutlich sichtbar bei der Bundespräsidentenwahl – die Kontrolle über ihre zänkische Gefolgschaft. Ärgerlich daran ist, dass bei dem ganzen Theater die drängenden Probleme auf die lange Bank geschoben werden. So hängt z.B. ein vollkommen unausgegorenes Sparpaket in der Luft, dessen soziale Schieflage sogar vom Wirtschaftsflügel der CDU beklagt wird.

In einer Notlage müssten alle helfen, „Arm wie Reich“, sagt der Vorsitzende des Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk. Für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes zeigt er sich offen. Schließlich fügt man dem Zusammenhalt einer Gesellschaft empfindlich Schaden zu, nimmt man nur dort, wo ohnehin schon wenig ist und es richtig weh tut, und verlangt den Vermögenden gar nichts ab. Vermutlich musste die Kanzlerin diese schamlose Ungerechtigkeit ihres Sparpaketes der FDP im Kuhhandel zugestehen, um die Liberalen bei der Bundespräsidentenwahl wohlwollend zu stimmen. Inzwischen dient selbst die Besetzung des höchsten Staatsamtes als traurige Kulisse für den unwürdigen Koalitionsstreit.

Auch „Muttis“ Ziehsohn Stanislaw Tillich hat sich ohne jeden Sinn für Gerechtigkeit ein Sparpaket geknüpft und streicht die Sozialausgaben zusammen. Mit den Kürzungen bei Bildung, Kultur und innerer Sicherheit verspielt er leichtfertig die Zukunftschancen seines Landes, nur um die Bürgschaften für das Milliardengrab Landesbank bedienen zu können. Immerhin ist Tillich kein Mann für Zank und Streit, er möchte lieber „Landesvati“ sein.