Der Deutsche Bundestag hat mich in den parlamentarischen Beirat der „Stiftung für das sorbische Volk“ gewählt. Und gleich als erstes muss ich das politische Trauerspiel um das Sorbische National-Ensemble erleben. Diese Institution von internationalem Ruf kämpft um ihr Überleben. Gleichzeitig bleibt die Bundesregierung in Berlin dabei, keine Politik zu machen und einzig ihre Anhängerschaft zu bedienen. Erst waren es die Hoteliers und die Erben. Und bald werden es wohl die Apotheker sein. Hier geht es nicht um Kleingeld, sondern um leichtfertig verschenkte Milliarden.
Beim Sorbischen National-Ensemble geht es um 900.000 Euro, die der Stiftungsrat aus Sparzwängen diesem einzigartigen Kulturerbe kürzen will. 44 Stellen sollen gestrichen werden. Das geht an die Substanz. Die Mitglieder des Ensembles haben einen Appell an die Stiftung gerichtet: Rücknahme der Sparbeschlüsse oder zumindest deren Aufschiebung, um eine Fusion des Sorbischen National-Ensembles mit dem Sorbischen Volkstheater in die Wege zu leiten. So könnte eine langfristige Lösung gefunden werden.
Sicher muss die Bundesregierung das Geld, das sie für die einen ausgibt, woanders wieder hereinholen. Aber sie sollte sich schämen, hier bei den Minderheiten wie den etwa 60.000 Sorben anzufangen. Noch übernimmt der Bund bei der Finanzierung der Stiftung für das sorbische Volk 8,2 Mio. Euro. Es stünde ihm gut zu Gesicht, die fehlenden 900.000 Euro auszugleichen. Verglichen mit den Steuergeschenken fehlt hier nämlich jedes Maß. Das Sorbische National-Ensemble hat eben keine Lobby bei der Bundesregierung.