Alles eine Frage der Perspektive

Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft – wir kennen sie alle unter dem Namen ODEG – hat bei der jüngsten Kundenbefragung einmal mehr mit Bestnoten abgeschnitten. Die ODEG kann mit Fug und Recht stolz auf ihr Personal sein. Doch was ist der Dank? Bei den laufenden Tarifverhandlungen wird dem Fahrpersonal der ODEG eine unfassbare Lohnerhöhung von 51 Cent angeboten – im Monat und brutto! Das ist blanker Hohn.

Wer sich trotz hoch motivierter Arbeit mit solch beschämenden Lohnangeboten abfinden soll, wird das dumme Gerede des Herrn Westerwelle aus Berlin nur noch als Spott eines weltfremden Politikers empfinden. Da wird wider besseres Wissen aus der Perspektive der Gutverdienenden und Wohlhabenden behauptet, Arbeit müsse sich wieder lohnen und deshalb gehöre Hartz IV gekürzt. Es ist schon sehr durchtrieben, die Tatsachen dermaßen zu verdrehen. Nicht das Arbeitslosengeld ist zu hoch, sondern das untere Lohnniveau ist zu niedrig. Doch die Liberalen haben jeglichen Blick für das wirkliche Arbeitsleben und eine solidarische Gesellschaft verloren.

Ständige Perspektivwechsel muss auch Ministerpräsident Tillich vollziehen. Führt er die Amtsgeschäfte als Ministerpräsident von Sachsen, so setzt er sich die eine Brille auf. Trifft er sich mit Sponsoren für die CDU auf der sogenannten „Präsentationsstufe 4“ für 8.000 €, so trägt er die Brille des Landesparteivorsitzenden. Schaltet er dann den Ministerpräsidenten in sich ab oder auf Stand-by? Wechselt er für die jeweilige Rolle den Anzug? Es bleiben noch Fragen. Jedenfalls scheint mir die Gefahr einer Persönlichkeitsspaltung akut.